Wieder einmal findet sich auf der Seite von Project Syndicate ein interessanter Text: "Salut den Technokraten" verlautbart der Titel. Das Zusammenwachsen Europas, so der beste Gedanke des Autors Fabrizio Tassinari, ist nicht so sehr dem Verlangen nach Freiheit als vielmehr dem Streben nach Sicherheit geschuldet: Vielleicht ist diese Sehnsucht der Europäer nach sozialer, politischer und wirtschaftlicher Sicherheit eine Folge der Erfahrungen mit und seit dem 2. Weltkrieg. Vielleicht wurde dieses Sehnen im Osten durch den Fall der Sowjetunion sogar noch verstärkt.
Nun geht Tassinari davon aus, dass dieses Sicherheitsbedürfnis der rechte Grund für das Gedeihen einer technokratischen Kultur sein könnte. Die Zustimmung für technokratische Lösungen wachsen während der Krise:
Man kann sich nur daran stoßen, dass Tassinari davon ausgeht, dass Technokraten prinzipiell neutrale Akteure sind. Gerade eine Neutralitätsvorstellung aber ist völlig illusionär, wenn es um Beobachtungen und Operationen geht, die innerhalb des sozialen Felds stattfinden: "Ideologie" findet sich auch in der technokratischen Herrschaft, vielleicht sogar bedrohlicher und unbedingter als in so manch anderen Herrschaftskonzepten. Dasselbe gilt für überholte Vorstellungen. Im schlimmsten Fall ist sie wie die Pille in einer Doppelblindstudie. Weder die Gesellschaft als der Patient noch die Technokraten als die Ärzte wissen dann, was sich eigentlich darin befindet. Bitter ist die Pille allein schon deshalb, weil ihr Kern geleugnet wird. Was aber, wenn der Kern Teil des Problems ist?
Jedem Steuerungsmodell, jeder Berechnung liegt ein Telos zu Grunde. Verlässt man sich auf ein Modell, verläuft man sich in Einbahnstraßen. Man muss sich deshalb auf der Zunge zergehen lassen, wie nonchalant der Herr über diese Problematik hinweggeht, weit davon entfernt einen Einzelfall darzustellen. Tassinari scheint es schon zufriedenzustellen, dass die Bürger technokratische Schritte begrüßen und zugleich "vernünftigerweise" das wankelmütige Verhalten der Politik ablehnen.
Vielleicht ist das eine leichte Überinterpretation seines Textes, doch die Position kommt am Ende seiner Ausführung recht offen zu Tage. Das Zitat Lao-Tses sagt schon, in welche Richtung hier gedacht wird:
Nun geht Tassinari davon aus, dass dieses Sicherheitsbedürfnis der rechte Grund für das Gedeihen einer technokratischen Kultur sein könnte. Die Zustimmung für technokratische Lösungen wachsen während der Krise:
"Ein Einwand gegen die Delegierung politischer Autorität an Technokraten besteht darin, dass derartige Bestellungen auf eine demütigende Beschränkung der Souveränität hinauslaufen. In normalen Zeiten ist das für die meisten Bürger inakzeptabel. Aber in Krisenzeiten gewinnt die Stimme eines neutralen Technokraten größere Legitimität."
Man kann sich nur daran stoßen, dass Tassinari davon ausgeht, dass Technokraten prinzipiell neutrale Akteure sind. Gerade eine Neutralitätsvorstellung aber ist völlig illusionär, wenn es um Beobachtungen und Operationen geht, die innerhalb des sozialen Felds stattfinden: "Ideologie" findet sich auch in der technokratischen Herrschaft, vielleicht sogar bedrohlicher und unbedingter als in so manch anderen Herrschaftskonzepten. Dasselbe gilt für überholte Vorstellungen. Im schlimmsten Fall ist sie wie die Pille in einer Doppelblindstudie. Weder die Gesellschaft als der Patient noch die Technokraten als die Ärzte wissen dann, was sich eigentlich darin befindet. Bitter ist die Pille allein schon deshalb, weil ihr Kern geleugnet wird. Was aber, wenn der Kern Teil des Problems ist?
Jedem Steuerungsmodell, jeder Berechnung liegt ein Telos zu Grunde. Verlässt man sich auf ein Modell, verläuft man sich in Einbahnstraßen. Man muss sich deshalb auf der Zunge zergehen lassen, wie nonchalant der Herr über diese Problematik hinweggeht, weit davon entfernt einen Einzelfall darzustellen. Tassinari scheint es schon zufriedenzustellen, dass die Bürger technokratische Schritte begrüßen und zugleich "vernünftigerweise" das wankelmütige Verhalten der Politik ablehnen.
Vielleicht ist das eine leichte Überinterpretation seines Textes, doch die Position kommt am Ende seiner Ausführung recht offen zu Tage. Das Zitat Lao-Tses sagt schon, in welche Richtung hier gedacht wird:
"Lao-Tse, der Begründer des Taoismus, schrieb, dass „ein guter Führer dann am besten ist, wenn die Menschen kaum wahrnehmen, dass es ihn gibt.“ Nun, da Europas krisengeschüttelte Regierungen zunehmend durch nicht gewählte Technokraten ersetzt werden, kann man das zustimmende Nicken der Bürger beinahe erahnen."Ein sedierendes Nicken zu einem sanften Druck. "Sieh dir zuerst den Stock des Dirigenten an, bevor du anfängst im Chor zu singen" könnte man mit Stanislaw Lec empfehlen. Nur interessiert sich für den Stock niemand mehr, wenn der das Einzige ist, woran man sich noch festklammern kann.
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