Sonntag, 18. Dezember 2011

Clinamen

In einem Eurozine-Artikel schreibt der Historiker Werner Plumpe über die Illusion eines kapitalistischen Gleichgewichts. Dieses gelte es sowohl in der Theorie als auch in der politischen Handhabung von Krisen zu verwerfen. Für die Politik heißt das vor allem: Stabilisierungsmaßnahmen durch negatives Feedback sind nur sehr begrenzt möglich. Der Artikel ist übrigens sehr zu empfehlen!

Abgesehen davon scheint es in letzter Zeit gewissermaßen überhaupt zu einem Ruck zu kommen, zu einer Parallaxe vielleicht, die in einem Paradigmenwechsel übergeht. Zumindest gibt es womöglich so etwas wie eine leise Abkehr von dem Gleichgewichtsgedanken und der Art, wie wir Krisen betrachten. Der von Plumpe in seinem Text erwähnte Joseph Vogl hat mit dem Erfolg und der durchaus breiten Rezeption seines Buches "Das Gespenst des Kapitals" ein schönes Beispiel für diese veränderte Wahrnehmung der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus gegeben.

Das Krisenhafte bringt zugleich das Neue. Das, was zuerst wie das Ende aussieht, ist am Ende nur eine Umordnung, damit es weitergehen kann. Die Angst vor dieser Umordnung ist das größte Problem, auf allen Seiten. Und damit wären wir wieder bei einer Politik des Aufenthalts angekommen.

Eine Sache bleibt dann allerdings dennoch zu klären: Sind die systemischen Abweichungen und Ungleichgewichte nur wesenhaft für Prozesse innerhalb des Systems, oder aber sind die Instabilitäten  schon die Boten gänzlich neuer Formen?

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