Neun Länder wurden von gestern auf heute durch Standard&Poor's herabgestuft. "Rundumschlag gegen Europa" betitelt die NZZ ihren Artikel. Die faktische Macht der Ratingagenturen ist es, glaubt man dem von der NZZ befragten Experten, dass ihre Herabstufungen zu einer Teuerung der Kredite und dadurch mithin auch zu einem schwächeren Rettungsfonds führen könnten.
Manuel Castells, gegenwärtig vielleicht der Soziologe schlechthin auf dem Gebiet der Netzwerkforschung, würde von networked power sprechen und damit die diskursive Macht meinen: Das heißt die Herrschaft über die richtige Auslegung der Dinge und Ereignisse. Es handelt sich hier um eine Deutungsmacht, deren hegemoniale Vorherrschaft so ungaublich stark ist, gerade weil kein Platz für außerhalb dieser Dogmatismaber auch gerade auf dem Feld der Diskussion gebrochen werden könnte.
Man sollte sich im Übrigen langsam die Frage stellen, wie sinnvoll die aktuellen Rating-Agenturen an sich sind: Wie man schon vor einigen Jahren an der Frage nach der japanischen Kreditwürdigkeit gesehen hat, haben die Rating-Agenturen einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Volkwirtschaften, in diesem Fall hat das Downgrading die problematische Entwicklung des Yen begünstigt. Die vorgebrachten Analysen gingen in der jüngeren Geschichte auf fatale Weise daneben: Stichwort Enron - nicht zuletzt für die Rating-Agenturen ein Desaster. Man könnte auch an die Asienkrise denken, in der erst zu spät und dann mit exzessiven „downgrading“ falsch reagiert wurde.
Das eher grundsätzliche Problem freilich ist ein viel tiefer liegendes Vertrauensproblem der Banken untereinander, so hat Dirk Baecker schon 1991 festgestellt, dass es ein "Refinanzierungsproblem von Einlagen und Krediten auf dem Geldmarkt aus dem Interbankengeschäft" gibt. Erst durch die fehlende Vertrauens- und Beurteilungsbasis waren die Rating-Agenturen in der Lage, eine derartige Deutungshoheit gewinnen, eben "networked power" - und das bleibt problematisch.
edit: Und zwar nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Ratings zwar auf verschiedenen aufwändigen und komplexen Analyseverfahren basieren, diese jedoch für außenstehende Beobachter nur unzureichend transparent sind und zudem Zukunftserwartungen, die auf selbst getroffenenen wirtschaftspolitischen Handlungsempfehlungen fußen, die Ratings mitbeinflussen.
edit: Und zwar nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Ratings zwar auf verschiedenen aufwändigen und komplexen Analyseverfahren basieren, diese jedoch für außenstehende Beobachter nur unzureichend transparent sind und zudem Zukunftserwartungen, die auf selbst getroffenenen wirtschaftspolitischen Handlungsempfehlungen fußen, die Ratings mitbeinflussen.
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