Die Titelzeile ist ein Zitat aus der Welt: Im Artikel geht es um ein neues Social Media-Angebot, dass es erlaubt, auch nach dem Tod seine sozialen Netzwerke aufrechtzuerhalten. Technologie und die Suche nach Unsterblichkeit waren schon immer eng miteinander verbunden: Man denke an den Beginn der Kybernetik, an Norbert Wieners schaurig-hoffnungsvolle Ahnung, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft dazu befähigt sein könnten, das eigene Bewusstsein mitsamt aller Informationen in eine Maschine zu übertragen (Tatsächlich ist die Religion Ray »The Singularity is near« Kurzweils nur Teil einer Tradition, die auf den Beginn des Informationszeitalters zurückgeht). Vielleicht kreist jeder Aufbruch, den die Menschheit unternimmt, immer um dieses eine Ziel: Nach der europäischen Entdeckung Amerikas mussten nur zehn Jahre vergehen, bis sich einer aufmachte, den Jungbrunnen zu suchen.
Apropos Jungbrunnen: Man könnte sich auch ein »Geschäftsmodell« vorstellen, dass es erlauben würde, Avatare seiner Person als Zwanzigjährigen, als Zehnjährigen, als Fünfjährigen in die sozialen Netzwerke zu schicken, mitsamt passender Freundeskreise und Interessen, mit manipulierten Bildern, die ein früheres Ich bei Kindergeburtstagen und Sportveranstaltungen, bei Parties im Studentenheim zeigt. Manchmal sähe man nach dem Status seiner jüngeren Avatare. Vielleicht würde man seine jeweilige Gegenwart den virtuellen Vergangenheiten, die man nie gelebt hat, angleichen, oder sie einfach weitertreiben lassen, in völlig belanglose und unbekannte Zukünfte.

