Dienstag, 24. Januar 2012

Wissen und Eigentum

Die Proteste und Diskussionen rund um die Gesetzesentwürfe SOPA/PIPA, oder auch über das Ende von Filehostern wie Megaupload könnte ein schönes Beispiel für die tendenzielle Bewegung sein, die sich vermutlich seit jeher innerhalb der ökonomischen und politischen Sphäre abspielt: der zwischen Expansion und Restriktion. Was neueren system- bzw. netzwerktheoretischen Ansätzen zufolge die künftig entscheidende Operationsweise von Organisationen sein soll, nämlich die elastische Grenzverschiebung zwischen Organisation und Umwelt, lässt sich in ähnlicher Weise auch hier, nur in noch größeren Ausmaßen, beobachten.

Strukturell gesehen scheint es in der Geschichte immer dieselbe Story von Ausdehnung und Einhegung gewesen zu sein, die die wirtschaftspolitische Entwicklung begleitet hat. Der Abenteuer- und Entdeckungslust, die infolge der Entwicklung der Informationsgesellschaft entstand, folgt nun immer stärker der Wunsch nach der Einhegung und Verrechtlichung der "freien" Räume, bzw. der Bändigung des Wissens als fließenden Prozess, der nun wieder reguliert und verfestigt werden soll.

Warum ist das so? Wenn es stimmt, was einige Ökonomen und Soziologen sagen, dann ist die Ökonomie des Wissens heute das vorherrschendem Produktionsparadigma. Sofern man in dieser Ökonomie die Wertschöpfung sicherstellen möchte, stellen sich zwei Fragen:

Mittwoch, 18. Januar 2012

Times are a-changin´

Via Eurozine findet sich ein hervorragender Artikel über die Zukunft der EU aus schwedischer Perspektive: Der Journalist Björn Elmbran legt nahe, dass die heutige EU zunehmend nicht nur von den Schulden der südlichen Mitgliedsstaaten bedroht ist, sondern auch von Tea-Party-ähnlichen Ideen in den nördlichen Ländern. Die Bevölkerung weigert sich zunehmend, für die Schulden "der anderen" aufzukommen.

Zudem beobachtet auch Elmbran, dass der Nationalismus im Aufwind ist, mit all seinen hässlichen Begleiterscheinungen:  
»the Dutch government wants to throw out Polish workers; Finland has introduced identity cards in a different colour for "foreigners"; Spain has refused to admit more than the 800,000 Romanians that are there now.«

Wenn es keinen "Fremden" mehr gibt, dem man Schuld für das Schlechte in der Welt geben kann, dann muss er durch verschiedenfarbige Identitätsausweise produziert werden.

Montag, 16. Januar 2012

Zu viele Hausaufgaben gemacht

Delikaterweise scheint das letzte Downgrading durch Standard & Poors' auch mit den "gemachten Hausaufgaben" der Euro-Länder, sprich der betriebenen Austeritätspolitik, in Zusammenhang zu stehen. Krugman zitierte kürzlich aus deren FAQ:
»As such, we believe that a reform process based on a pillar of fiscal austerity alone risks becoming self-defeating, as domestic demand falls in line with consumers’ rising concerns about job security and disposable incomes, eroding national tax revenues.«
 Was natürlich nicht heißt, dass S&P die Austeritätspolitik als solche in Frage stellen würde. Das war wohl auch nicht zu erwarten. Allerdings wirft die kurze Passage ein bezeichnendes Licht auf die bisherigen Reaktionen der europäischen Politik. 

Samstag, 14. Januar 2012

Deutungshoheit

Neun Länder wurden von gestern auf heute durch Standard&Poor's herabgestuft. "Rundumschlag gegen Europa" betitelt die NZZ ihren Artikel.  Die faktische Macht der Ratingagenturen ist es, glaubt man dem von der NZZ befragten Experten, dass ihre Herabstufungen zu einer Teuerung der Kredite und dadurch mithin auch zu einem schwächeren Rettungsfonds führen könnten.

Manuel Castells, gegenwärtig vielleicht der Soziologe schlechthin auf dem Gebiet der Netzwerkforschung, würde von networked power sprechen und damit die diskursive Macht meinen: Das heißt die Herrschaft über die richtige Auslegung der Dinge und Ereignisse. Es handelt sich hier um eine Deutungsmacht, deren hegemoniale Vorherrschaft so ungaublich stark ist, gerade weil kein Platz für außerhalb dieser Dogmatismaber auch gerade auf dem Feld der Diskussion gebrochen werden könnte.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Spekulationen über die Kunst

Im Anschluss an die "Kunst des Schreckens" noch den einen oder anderen unausgegorenen Gedanken: Die Kunst war einst vielleicht die sanfte Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das legt zumindest Sinjawski nahe und dieser Vorstellung wohnt, wie ich finde, eine ganz eigene Schönheit inne - die Kunst als das erleichternde Supplement für die allzu gnadenlose Herrschaft des reinen Symbols, dessen einzige Funktion es war, die eine Generation zur nächsten zu führen und strikt die Tradition aufrecht zu erhalten.

Die Kunst des Schreckens

Vor kurzem las ich ein Büchlein von Paul Virilio, den gedruckten Vortrag "Die Kunst des Schreckens". Man kann sich gut vorstellen, dass sein kurzer Text einigen Zuhörern und Lesern vor den Kopf gestoßen hat. Der Text ist eine Provokation und zwar gegen die Provokateure, und genau als solche ist er wohl auch zu lesen. Virilio geht darin der Frage nach, inwiefern die zeitgenössische Kunst auf die Gegenwart bezogen ist.

 Denn, der Künstler ist seiner Zeit nicht voraus, er ist seine Zeit. Er zeigt das Wesen seiner Zeit. Und dieses Wesen malt Virilio nicht gerade in bunten Farben.

Virilio behauptet, dass das Kunstwerk heute, im Gegensatz zu der Kunst der vorigen Jahrhunderte, endgültig das Versprechen der abstrakten Kunst eingelöst hätte, das Ende der Repräsentation, das Ende der darstellenden Kunst. Die Kunst seit her würde Virilio zufolge nur noch präsentierten. Und das ist doch interessant, denn man kann hier durchaus Parallelen zu anderen Bereichen der Gesellschaft, allen voran der Wirtschaft und der Politik, ziehen.

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